Don Quijotes Wahn

Wissenschaft trifft W-Seminar – unter diesem Leitgedanken besuchte Prof. Dr. Enrique Rodrigues-Moura auf Einladung von StRin Stefanie Wojaczek Mitte Januar 2014 das W-Seminar „Spanische Kultur zwischen Tradition und Moderne“. Der Inhaber der Professur für Romanische Literaturwissenschaft / Hispanistik und derzeit geschäftsführender Direktor des Instituts für Romanistik an der Universität Bamberg, führte in seinem 45-minütigen Vortrag zum Thema „Don Quijotes Wahn“ er die Schüler auf überaus lebendige Art in das bekannteste Werk der spanischen Literatur und zugleich einen der bedeutendsten Romane der Weltliteratur ein.

Schon der Titel „El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha“ von Miguel de Cervantes Saavedra zeigt die Ambivalenz des Werkes. Auf der einen Seite steht der einfache Edelmann Quijote, der aus der Mancha, einer der ärmsten Gegenden Spaniens, stammt und sich selbst zum Ritter ernennt, auf der anderen Seite der scharfsinnige und erfinderische Intellektuelle Quijote, der durch übermäßiges Lesen den Verstand verliert. Rodrigues-Moura verdeutlichte anhand von Ausschnitten einer spanischen Verfilmung des Romans die drei Stufen des Wahns von Don Quijote, der schließlich glaubt, die Orden der fahrenden Ritter wiederbeleben zu können. Von den Aufgaben, die dabei vor ihm liegen, ist der Kampf gegen die Windmühlen heute die bekannteste Szene des Romans, auch wenn sie in ihm keine besonders hervorgehobene Stellung einnimmt. Don Quijote, der in den geflügelten Maschinen schreckliche Riesen sieht, verliert den ungleichen Kampf. Hier, wie auch in der Episode über den Helm des Mambrin, der in Wirklichkeit ein Rasierbecken ist, zeigt sich, dass die eigene Wahrnehmung der Realität eine neue Realität hervorbringen kann. Der scharfsinnige und erfinderische Don Quijote erschafft in seinem Geist eine neue, für ihn reale Welt und endet im Wahn. Schon die deutsche Romantik erkannte hinter der vordergründigen Parodie eines Ritterromans die sympathische, ja Respekt gebietende Figur des Don Quijote, der Gutes tun will, aber nicht immer Gutes bewirkt. Am Ende seines Vortrages schlug Rodrigues-Moura die Brücke zum Motto des Clavius-Gymnasiums: „Menschen bilden, Chancen gestalten“. Der durch die Lektüre gebildete Don Quijote gestaltet die Chancen seines Weges selbst, scheitert aber bei der Verwirklichung seines Ideals, nur Gutes tun zu wollen. Und wieder zeigt sich die Ambivalenz: Der Leser lacht über die traurige Gestalt und leidet mit dem geistvollen Ritter.

Die anschließenden Fragen der Schüler beantwortete Rodrigues-Moura bereitwillig und zeigte dabei auch noch etliche weiterführende Aspekte auf. Stellvertretend für das W-Seminar bedankten sich zwei Schüler bei Prof. Rodrigues-Moura für die faszinierende Einführung in die Welt des Don Quijote und überreichten als kleinen Dank eine Flasche unseres hauseigenen Clavius-Weins.

wost/woja