Herbstliche Nebel zogen schon durchs Land, als sich die CG-Reisegruppe aufmachte, um von Frankfurt in das zehn Flugstunden entfernte Shanghai zu fliegen. Nun schon zum dritten Mal erwiderten Schülerinnen und Schüler des CG, begleitet von Schulleiter OStD Wolfgang Funk, seiner Gattin sowie StD Michael Faselt und OStR Josef Steidl, den Besuch ihrer chinesischen Partner.

Dem unmittelbaren Wiedersehen stand noch eine mehrstündige, höchst interessante Busfahrt an der Küste der Provinz bevor. Schon hier konnte man die andersartigen Landschaften und die enormen verkehrstechnischen Leistungen – darunter eine über 30 Kilometer lange Meeresbrücke – bewundern. In Xiangshan warteten derweil schon die Partner unserer Schüler mit ihren Eltern und die Schulleitung unserer Partnerschule. Schon kurze Zeit später waren die Schülerinnen und Schüler ebenso schnell verschwunden, wie die herbstliche Bekleidung angesichts der milden Temperaturen.

Die folgenden Tage boten – wie immer – ein abwechslungsreiches Programm: Da Xiangshan als junge und aufstrebende Stadt ein begrenztes Angebot an kulturellen Sehenswürdigkeiten besitzt, ging es mit dem Bus hinaus ans Meer, wo sportliche Aktivitäten im Mittelpunkt standen, und in eine Mandarinenplantage, wo es nicht nur eine Information zur Farm sondern auch handfesten Einsatz mit Schere und Erntekörbchen gab. Zudem hatte das Management noch die örtlichen Medien eingeladen, so dass die erntenden Schüler und Lehrer intensiv gefilmt wurden und ausgiebig Rede und Antwort stehen mussten. Noch mehr nach dem Geschmack der jungen Reisenden war der Ausflug nach Ningbo, die Bezirkshauptstadt: Nachdem man das berühmte Akosha-Kloster in ein wenig gehetzter Weise angeschaut hatte, blieb mehr Zeit für die quirlige und geschäftige Mitte der Stadt mit ihren unzähligen kleinen Boutiquen und auch den amerikanischen Fast-Food-Einrichtungen.

In der Xiangshan Middle School war man besorgt, den Bambergern einen umfassenden Einblick in das Schulsystem Chinas und auch in den Schulalltag zu geben. Da steht viel hartes Pauken auf dem Programm, von morgens sieben Uhr bis abends neun Uhr – an sechs Tagen in der Woche. Die Lehrer haben zwar nur wenige Unterrichtsstunden, aber viele betreuende Aufgaben und enorme Korrekturmengen. Und immer steht für alle der Wettbewerbsgedanke im Hintergrund – Leistungshitparaden und Bestenlisten finden sich allerorten. Die Gäste aus Deutschland besuchten nicht nur den Unterricht ihrer Partner, sondern erhielten Unterweisungen und Übungen in Landeskunde, Kalligraphie und in Tai Chi. Allgemeine Erfahrung: Es sieht viel leichter aus, als es ist.

Auch außerhalb des für CG-Verhältnisse riesigen Schulgeländes (Der Middle School ist es aber zu eng, sie ziehen bald an den Stadtrand, obwohl gerade eine große Sporthalle im Bau ist!) sorgten unsere Freunde für ein interessantes Programm. Ein gutes Stück an der am Meer nach Norden führenden Bundesstraße besuchte die Gruppe zwei Joint-Ventures aus der Automobil-Zuliefer-Branche. Hier wurde klar, was Globalisierung bedeutet: eine deutsch-chinesische Firma für Kabel und Kabelverbindungen und eine indisch-chinesische Firma für Autospiegel vormals in deutschem Besitz, durch die ein aus Pakistan stammender Betriebsleiter führte. Im anmutigen Freizeitpark des chinesischen Industriepartners konnte dann gelustwandelt, die Aussicht über die Bucht genossen und gut gespeist werden.

Der große Abschiedsabend mit viel Musik und Tanz stellte wieder eine Herausforderung an Einsatz, Geduld und Improvisationstalent von Schülern und Lehrer dar. Trotz kleinerer Schwächen herrschte große Begeisterung und am Ende wurde auf der Bühne die von beiden Schulleitern erarbeitete Zielvereinbarung über die Zusammenarbeit der beiden Schulen unterzeichnet. Der folgende Sonntag gehörte dann den Schülern und ihren Gastfamilien. Für die Lehrer hielt Herr Shao eine riesige Überraschung parat: Zusammen mit seiner Gattin, der stellvertretenden Bürgermeisterin von Xianshang, fuhren sie zickzack übers Land, um dann – gut behütet mit gelben Schutzhelmen – auf der Donghong-Werft beim Stapellauf des Ozeanfrachters Qixiang15 dabei zu sein. Welch ein Auflauf von Menschen, von Arbeitern, ihren Familien, von Offiziellen und Feuerwerkern! Und natürlich war den Gastgebern der Geburtstag von OStD Funk nicht entgangen, was den Abschiedsabend im Haus eines der Schuleiter zu einem besonders üppigen Fest werden ließ.

Nach dem teilweise emotionalem Abschied der Partner brachte der Bus die Bamberger nach Hangzhou, der wahrscheinlich beliebtesten Stadt Chinas mit ihrem See und den großen Parkanlagen. Glücklicherweise passte das Wetter, dass bei der Bootsrundfahrt viele Eindrücke gesammelt werden konnten. Anschließend wurden die Reisenden auf einer Teeplantage in die Herstellung und Verwendung von grünem Tee eingeweiht. Unvergesslich waren der nächtliche Spaziergang durch die Budenstraße der Kulturstraße und später noch der Ausflug zum See, ersterer mühsam den besorgten Reiseleiterinnen abgerungen und der zweite vor ihnen verheimlicht.

Ein Reisehit war zweifellos der folgende Tag in Shanghai: Der 423 Meter hohe Jin Mao-Tower, das ungebundene Schlendern über den frisch renovierten Bund, durch die riesige Fußgängerzone und bei Dunkelheit wieder zurück am Bund mit dem Lichtermeer der Hochhäuser am Jangtse und Tags darauf das beeindruckte Shanghai-Museum und der Yü-Garten. Noch ein Garten wartete danach in Souzhou, bevor man in einer Seidenfabrik Seidenraupen streicheln konnte, das Ende ihrer Kokons im heißen Wasser erleben musste, das Gewinnen der  Fäden und ihre weitere Verarbeitung verfolgte und abschließend im Shop die Yüan für Seidentücher und anderes Schönes zurückließ. Nach einer Bootsfahrt in den Kanälen war noch Zeit durch die noch nicht ganz „renovierte“ Altstadt zu schlendern. Wer OStR Steidl ein wenig abseits folgte, erhielt ganz realistische Einblicke ins chinesische Alltagsleben – exotisch und ungewohnt, aber nicht immer leicht verdaulich.

Eine Nachtfahrt mit dem Schlafwagen erwies sich dank neuen Wagenmaterials als durchaus komfortabel und stark gemeinschaftsfördernd – ein Entschädigung für das grässliche Anstehen im Bahnhof von Wuxi. Im Peking angekommen, merkte man gleich an den Temperaturen, dass man sich 1000 Kilometer nordwärts begeben hatte. Von einer deutschsprachigen Führerin geleitet, wurde das ganze „Pflichtprogramm“ der Hauptstadt abgearbeitet: Verbotene Stadt, Tiananmen-Platz, Himmelspalast, Sommerpalast, Olympiastadion, die große Mauer und die Allee der Seelen bei den Kaisergräbern. Eine Fülle von Eindrücken und Erlebnissen – festgehalten auf tausenden Bild- und Filmdateien. Den Abschluss bildete natürlich das Shopping: OStR Steidl durchstreifte mit der einen Hälfte der Gruppe den gewaltigen Yaxiu-Markt, während OStD Funk und StD Faselt das Abenteuer wählten, als sie mit den anderen Schülerinnen und Schülern mit öffentlichen Verkehrsmitteln das Hardrock-Cafe Peking suchten und fanden.

Nach langem Flug kehrte die CG-Gruppe etwas ermattet und voller Eindrücke heim, eine Gruppe, die sich fabelhaft verhalten hatte und als würdige Botschafter Deutschlands und Bambergs erwiesen hatte.

jas