Ein Besuch nach 400 Jahren

Unser Namenspatron kommt zu Wort

Christophorus Clavius am 29.Februar 2012

OStD Funk
Hochwürdigster Christophorus Clavius, mit großer Freude darf ich Sie heute in Ihrer Patenschule willkommen heißen.
Das Clavius-Gymnasium ist stolz darauf, Sie als den Vater der Mathematik, als großen Astronomen und Kalenderreformer in seinen Mauern begrüßen zu können.

CLAVIUS
Salvete discipulae discipulique!
Aber ich merke schon – viele von euch scheinen mein Latein nicht zu verstehen.
Ich weiß, heute lernt ihr stattdessen Französisch, Spanisch, ja sogar Chinesisch!!
O tempora, o mores!

Dennoch! Ich bin glücklich, wieder einmal in meiner Heimat weilen zu können.

Aber- Magnifice domine Funk,
warum haben Sie mich so nachdrücklich gebeten, in Ihre Schule zu kommen?
Brauchen Sie meine Hilfe?

OStD Funk
Lieber Doktor Clavius, die Hilfe eines so mächtigen Fürsprechers können wir immer gebrauchen. Zumal die Zeiten nicht einfacher werden und in den nächsten Jahren die große Renovierung unserer Schule ansteht. Der eigentliche Grund für unsere Einladung ist aber, dass wir Sie feiern und ehren wollen.
Wir möchten, dass unsere Schüler Sie noch besser kennenlernen. Sie sind doch einer der größten Mathematiker und Astronomen des ausgehenden 16. Jahrhunderts gewesen

Am 24. Februar 1582, also vor 430 Jahren ist der neue Kalender von Papst Gregor XIII verkündet worden.
Ohne Ihr wissenschaftliches Wirken hätte die Kalenderrefom nicht so schnell in Kraft treten können.
Und – am 6. Februar 1612 sind Sie gestorben. Wir gedenken also Ihres 400. Todestages.


Erzählen Sie uns, hochberühmter Doktor Clavius,von Ihrer Schul- und Studienzeit und warum Sie einen lateinischen Namen tragen?

CLAVIUS
Damals war es geradezu notwendig, sich einen lateinischen Namen zuzulegen, denn die Wissenschaftssprache war ja Latein und alle wissenschaftlichen Bücher wurden in dieser Sprache verfasst.

Ich war nur als „Clavius Bambergensis“ bekannt. Aus meinem deutschen Namen „Schlüssel“ (lateinisch „clavis“) wurde Clavius und das Attribut „Bambergensis“ sollte meine Liebe zur Heimat ausdrücken.

In Bamberg wuchs ich auf, hier lernte ich wie ihr Schreiben, Rechnen und Lesen,

Schon mit 17 Jahren trat ich dem Jesuitenorden bei und wurde von diesen gelehrten Patres sehr gefördert. Besonders die Mathematik und die Astronomie gefielen mir sehr. Meine Oberen schickten mich deshalb zu weiteren Studien nach Portugal und Rom.
In der Hauptstadt der Christenheit blieb ich dann und lehrte im Collegio Romano als Professor für Mathematik und Astronomie.
Später wurde ich Leiter der neu eingerichteten Sternwarte im Vatikan. Hier kam ich mit den Lehren von Nikolaus Kopernikus und Johannes Kepler in Berührung und diskutierte viel mit meinem Freund Galileo Galilei. Aber der Lehre, dass nicht die Erde, sondern die Sonne das Zentrum des Weltalls sei, konnte ich nicht zustimmen, ein Fehler, wie ich jetzt weiß!

OStR Funk
Was gefällt Ihnen besonders bzw. welche Entwicklung an Ihrer Patenschule sehen Sie mit besonderer Freude?

CLAVIUS
Das Clavius-Gymnasium macht meinem Namen große Ehre. Ich sehe viele gute Entwicklungen. Etliche Schüler machen bei den Wettbewerben "Jugend forscht" und „Schüler experimentieren“ mit, – die jüngeren beteiligen sich am Mathematik-Wettbewerb des Adam Ries, der ja auch ein Franke war!
Ihr engagiert euch in literarischer, musikalischer und künstlerischer Hinsicht. Eure Theateraufführungen und die Literaturabende gefallen mir sehr. Im Sport seid ihr kaum zu schlagen.
Eine Sache verfolge ich mit großer Begeisterung, weil ich sie als eine Erfüllung meiner kühnsten Träume sehe. Wie ihr wisst, bin ich ein bekannter Kalenderberechner gewesen. Man nannte zu meiner Zeit diese Wissenschaft des Kalenderrechnens Computistik. Ja, ich war ein Computist.
Ihr habt heute elektronische Apparate, die blitzschnell enorme Rechenoperationen durchführen können. Ihr nennt sie Computer. Als Computist bewundere ich euch jungen Leute, wie ihr mit diesen Computern geradezu meisterhaft umgeht.
Wie einfach wären mit diesen Rechenmaschinen die Berechnungen des Kalenders gewesen!

OStR Funk
Können Sie uns in ganz einfachen Worten erklären, worum es bei der Kalenderreform ging?

CLAVIUS
Ich will es versuchen:
Der römische Kalender des Julius Caesar, der sogenannte julianische Kalender, war mit seinen 365 ¼ Tagen  um 11Minuten und 12 Sekunden länger als das wirkliche Sonnenjahr. Das Sonnenjahr war also dem Kalenderjahr voraus, weil es eine kürzere Zeitstrecke durchlaufen musste. Anders gesagt: Pro Jahr blieb das Kalenderjahr 11 Minuten und 12 Skunden hinter dem Sonnenjahr zurück.
Ihr werdet sagen, was ist das schon! Wer merkt das!
Das ist schon richtig, aber dieser kleine Unterschied addierte sich im Laufe der Jahrhunderte bis in meine Zeit – also 1582 – zu einer Abweichung von 10 Tagen.
Hätten wir heute noch den julianischen  Kalender, dann betrüge die Differenz zum realen Sonnenjahr schon 13 Tage und 8 Stunden!
Die Jahreszeiten würden sich völlig verschieben. Ein ganz schönes Durcheinander gäbe das! Und dieses Durcheinander würde sich Jahr für Jahr vergrößern.

OStD Funk
Da befahl Ihnen Papst Gregor XIII, den Kalender neu zu berechnen und zu korrigieren. Was haben Sie denn getan, um diesen Fehler zu beseitigen?

CLAVIUS
Um das echte Sonnenjahr einzuholen, gab es keinen anderen Weg als 10 Tage des Kalenders wegzulassen, einfach zu streichen.
Also folgte auf den 4. Oktober 1582 direkt der 15. Oktober. Diesen Termin hatte ich ausgesucht, weil es in diesen Tagen nur wenige Feiertage und Heiligenfeste gab. Wir wollten den Ärger in der Bevölkerung so klein wie möglich halten. Trotzdem gab es viel Protest!
Manche behaupteten, ich hätte ihnen 10 Lebenstage gestohlen.
Jedenfalls danach stimmten Kalender und Jahreszeit wieder überein!

Aber sicher merken es viele von euch: Derselbe Fehler würde ja wieder aufgetreten! Das Kalenderjahr musste also dauerhaft gekürzt werden!
Alle 4 Jahre einen Schalttag einzufügen, wie das im julianischen Kalender gemacht wurde, war zu viel.
Ich errechnete, dass die glatten Hunderter-Jahreszahlen keine Schaltjahre sein dürften, sondern nur solche, die durch 400 teilbar sind.
Ansonsten sollte wie bisher alle 4 Jahre ein Schalttag eingefügt werden.
Nach dieser 2. Korrektur war mein Kalender fast genau so schnell wie das echte Sonnenjahr.  

OstD Funk
Ich habe also richtig verstanden:
Zehn Tage wurden in Ihrer Zeit aus dem Jahr herausgestrichen, um so das echte Sonnenjahr einzuholen.
Dann haben Sie in einer Periode von 400 Jahren drei Schalttage ausgelassen, damit Kalender und Jahr dauerhaft übereinstimmen. Ist das so richtig?

 

 

 

 

 

 

 

CLAVIUS
Sehr gut gerechnet! Sie sind es wert, ein mathematisches, naturwissenschaftliches und wirtschaftliches Gymnasium zu leiten! Alle Achtung! Das haben in meiner Zeit nicht alle verstanden.
Also nicht 100 Schalttage in 400 Jahren wie bisher, sondern nur 97! Nach dieser Korrektur betrug die Länge eines Jahres genau 365,2425 Tage. 
Übrigens den 400er Schalttag am 29.2.2000 hat eure Schule mir zu Ehren groß gefeiert. Ich war wie heute aus dem Himmel zu euch gekommen und war hoch erfreut, dass ihr dieses „Herzstück“  meiner Kalenderreform gewürdigt habt.

OStD Funk
Herr Doktor Clavius, in ihren Werken schreiben Sie, dass Sie die Geschicke Bambergs immer mit Interesse verfolgt haben. Welchen guten Rat würden Sie unserer Schule, aber auch Ihrer geliebten Stadt Bamberg geben?

CLAVIUS
Der Schule, ihren Lehrern und Schülern, rate ich das, was der Fürstbischof von Bamberg auf mein Grabmal schrieb: "Praeeuntem imitamini et aemulamini!“ „Ahmt mich, der ich euch vorausgegangen bin, nach, wetteifert mir, dem Verstorbenen, nach!“
Schüler hängt euch rein, seid fleißig! Es gibt nichts Schöneres und Wertvolleres als zu lernen, Fragen zu stellen, den Dingen auf den Grund gehen, zu studieren und zu forschen.
Der Stadt und Stadtverwaltung Bamberg gebe ich den guten Rat: „Schafft gute Bedingungen für Lehrer und Schüler, vor allem fangt mit dem Um- und Neubau an und führt ihn schnell zu Ende, damit die Lehrer und Schüler meiner Schule nicht durch schlechte Bedingungen Nachteile haben!

OStD Funk
Werden Sie also auch in Zukunft mit wohlwollendem Blick auf uns und unsere Stadt herabblicken und uns beistehen?

CLAVIUS
Das verspreche ich hoch und heilig. Ich habe schon kurz vor meinem Tode im Jahre 1612 in meinen Opera mathematica bekannt, dass ich immer viel für Bamberg gebetet habe, ganz besonders in schweren Zeiten.