Handballregeln

Handballregeln Stand 2010

Die Handballregeln werden von der Regelkommission für Handball der IHF im Abstand einiger Jahre angepasst; die aktuellen gelten seit August 2005 und werden bis auf kleinere Korrekturen bis Mitte 2010 unverändert bleiben. Die Regeln beziehen sich auf das Verhalten aller Beteiligten (Spieler, Offizielle, Zeitnehmer und Sekretär sowie Schiedsrichter) während des Spiels (dazu zählen auch die Pausen) auf dem Spielfeld und die technischen Grundvoraussetzungen zum Durchführen eines Spiels.

Grundsätzliches

Es spielen zwei Mannschaften gegeneinander. Ziel des Spiels ist es, den Ball über die Torlinie des Gegners zwischen den Torpfosten und unter der Torlatte hindurch zu befördern. Damit der Torerfolg gültig ist, muss der Ball die Torlinie vollständig überschritten haben. Und es darf unmittelbar vorher kein Regelverstoß der beteiligten Mannschaften stattgefunden haben. Die Mannschaft, die während des Spiels die meisten Torerfolge erzielt, gewinnt.

Der Ball darf von den Feldspielern mit dem ganzen Körper gespielt werden, außer mit Unterschenkel und Fuß (Fußspiel). Wird der Ball absichtlich mit Fuß oder Unterschenkel berührt, so wird eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe von den Schiedsrichtern verhängt. Erfolgt es ohne Absicht, das heißt der Fuß geht nicht aktiv zum Ball, so gibt es nur einen Freiwurf für die gegnerische Mannschaft. Ein Anwerfen des Abwehrspielers ohne dessen aktive Beteiligung ist nicht zu ahnden.

Jede Mannschaft besitzt einen Torwart, der ausnahmsweise den Ball innerhalb des eigenen Torraums auch mit dem Fuß bzw. dem Bein berühren darf, so lange er dies zur Abwehr eines Torwurfs tut oder er den sich in Richtung Torauslinie bewegenden Ball ins Toraus schießt, um beispielsweise nach einem Block der Abwehr in Ballbesitz zu bleiben. Bewegt sich der Ball jedoch in Richtung der Seiten- oder Mittellinie und damit in Richtung des Spielfeldes, so ist eine Abwehr mit Fuß und Unterschenkel nicht erlaubt. Dieses Vergehen wird nur mit einem Freiwurf für die angreifende Mannschaft sanktioniert, nicht aber mit einer progressiven Bestrafung des Torwartes. Außerhalb des Torraums muss er sich wie ein normaler Feldspieler verhalten.

Wenn der Ball das Spielfeld verlässt, erhält die Mannschaft, die den Ball nicht als letzte berührt hat, den Ball. Wie der Ball wieder ins Spiel gebracht wird, hängt davon ab, welche Linie er überquert hat:

  • Seitenlinie: Einwurf
  • Torauslinie, aber kein Torerfolg: Berührt ein Spieler der angreifenden Mannschaft oder der Torwart zuletzt den Ball, erfolgt ein Abwurf, andernfalls ein Eckeinwurf.

Bei einem gültigen Torerfolg erhält die Mannschaft, gegen die das Tor erzielt wurde, einen Anwurf.

Spielfläche

Die Spielfläche hat die Form eines Rechtecks (40 m x 20 m) und wird durch die Mittellinie in zwei Hälften geteilt. In der Mitte der Breitseiten befinden sich die Tore, vor diesen die jeweiligen Torräume. Der Raum innerhalb der Spielfläche, aber außerhalb der Torräume, ist das Spielfeld.

Grundsätzlich gilt, dass alle Linien zu dem Raum gehören, den sie begrenzen. Für die Mittellinie bedeutet dies, dass sie zu beiden Spielfeldhälften gehört.

Tore

Die Tore sind 3 Meter breit und zwei Meter hoch. Sie müssen fest im Boden oder an der dahinter liegenden Wand verankert sein. Der Torrahmen muss ein Rechteck sein.

Torraum

Vor den Toren befindet sich der Torraum. Er wird aus zwei Viertelkreisen mit einem Radius von sechs Metern um die jeweils innere hintere Ecke der Torpfosten und einer Linie parallel zur Torlinie in 6 m Abstand gebildet. Der Torraum darf von Feldspielern nicht betreten werden. Allerdings darf der Ball im Luftraum über dem Torraum gespielt werden, das heißt, ein Angreifer darf vor der Torraumlinie abspringen und aus kurzer Distanz auf das Tor werfen, wobei der Ball die Hand verlassen haben muss, bevor dieser Spieler den Boden berührt. Das Betreten des Torraums ohne Ball, um sich einen Vorteil zu verschaffen (zum Beispiel eine bessere Anspielposition), führt zu Ballverlust für die Mannschaft des Spielers. Die Spielfortsetzung ist Abwurf.

Ein Betreten des Kreises durch einen Abwehrspieler wird in der Regel nur dann geahndet, wenn er sich zum Zwecke der Abwehr einen Vorteil verschafft. Verhindert er dabei eine klare Torgelegenheit, ist die Spielfortsetzung ein Siebenmeterwurf (Wiederherstellung der klaren Torgelegenheit).

Im Torraum befindet sich die 4-m-Linie. Diese hat nur beim Siebenmeterwurf eine Bedeutung. Der Torwart darf in diesem Fall nicht weiter als bis zu dieser Marke aus dem Tor herauskommen, wobei einzelne Körperteile in der Luft darüber hinausragen dürfen.

Spielerwechsel

An einer Längsseite der Spielfläche befinden sich zu beiden Seiten der Mittellinie, außerhalb der Spielfläche, für jede Mannschaft ein Auswechselraum, in dem sich die Offiziellen, die Ergänzungsspieler und gegebenenfalls hinausgestellte Spieler aufhalten. Ein Wechsel zwischen Auswechselraum und Spielfeld darf nur über die Auswechsellinie erfolgen, die von der Mittellinie aus jeweils 4,50 m lang ist.
Der Einwechselnde darf erst das Spielfeld betreten, wenn der Auswechselnde das Spielfeld verlassen hat.

Spielzeit

Die normale Spielzeit für alle Mannschaften ab 17 Jahren und älter (A-Jugend) beträgt 2 × 30 Minuten mit einer Pause von 10 Minuten. Für Jugendmannschaften ist die Spielzeit reduziert.
Bei Spielen, bei denen eine Entscheidung herbeigeführt werden muss (zum Beispiel Turniere oder DHB-Pokal), gibt es bei Unentschieden maximal 2 Verlängerungen von jeweils 2 × 5 Minuten mit 1 Minute Pause. Ist auch dann noch keine Entscheidung gefallen wird diese mit einem Siebenmeterwerfen herbeigeführt, hier gilt zunächst die Regel best-of-5. Sollte dann immer noch kein Sieger festehen wird abwechselnd geworfen bis eine der beiden Mannschaften verwirft.

Passives Spiel

Die Regel zum Passivem Spiel verfolgt das Ziel, unattraktive Spielweisen wie das gezielte Verzögern zu unterbinden und den Spielfluss am Laufen zu halten. Der Schiedsrichter erhält das Recht, der verteidigenden Mannschaft den Ballbesitz zu geben, falls er den Eindruck bekommt, dass die angreifende Mannschaft nicht erkennbar versucht, ein Tor zu erzielen.

Erkennt ein Schiedsrichter (Feld- oder Torschiedsrichter) eine Entwicklung zu passivem Spiel, hebt er den Arm um anzuzeigen, dass ein gezieltes Herausspielen einer Torwurfgelegenheit nicht erkennbar ist. Die angreifende Mannschaft muss daraufhin ihr Angriffsverhalten umstellen. Unternimmt die ballbesitzende Mannschaft keinen erkennbaren Versuch, zum Torwurf zu gelangen, entscheidet einer der beiden Schiedsrichter auf passives Spiel und die verteidigende Mannschaft erhält den Ball. Wenn ein Angriff mit einem Torwurf (einschließlich 7-m-Wurf oder direktem Freiwurf) abgeschlossen wird und der Ball von Torwart, Torpfosten oder Querlatte abspringt und wieder regelgerecht in Besitz der zuvor angreifenden Mannschaft kommt, beginnt ein neuer Angriff in der Aufbauphase. Ebenso wird das Passive Spiel nicht mehr angezeigt, wenn Spieler oder Offizielle der in der Abwehr befindlichen Mannschaft nach Anzeigen des Warnzeichens eine Regelwidrigkeit oder eine Unsportlichkeit begehen, welche eine progressive Bestrafung zur Folge hat. Nach dem Anzeigen des Warnzeichens sollten die Schiedsrichter bei der ersten Spielunterbrechung vor der Wurfausführung das Warnzeichen noch einmal als Informationshilfe anzeigen. Sollte nach dem Anzeigen des Warnzeichens die angreifende Mannschaft ein Team-Time-out beantragen, so sollte das Warnzeichen mit Wiederaufnahme des Spiels erneut angezeigt werden.

Timeout und Team-Time-out

Die Schiedsrichter können nach eigenem Ermessen die Spielzeit unterbrechen (Timeout). Beim Siebenmeter soll bei einer besonderen Verzögerung, zum Beispiel bei einem Torwartwechsel, auf Timeout entschieden werden.

Jede Mannschaft hat jeweils einmal pro Halbzeit der regulären Spielzeit das Recht auf ein Team-Time-out (TTO) (dt.: „Auszeit“) von einer Minute Dauer. Dieses Recht kann sie nur nutzen, wenn sie in Ballbesitz ist. Das TTO wird durch den Mannschaftsverantwortlichen beantragt, indem er eine grüne Karte, die mit einem schwarzen „T“ versehen ist, dem Zeitnehmer übergibt oder vor ihn auf den Tisch von Zeitnehmer und Sekretär legt.

Der Zeitnehmer unterbricht sofort das Spiel mit einem akustischen Signal (Hupe, Sirene oder Pfeife) – wenn die das TTO beantragende Mannschaft in Ballbesitz ist – und hält die Zeit an. Nach 50 Sekunden zeigt der Zeitnehmer durch ein akustisches Signal an, dass das Spiel in zehn Sekunden mit dem der Situation zum Zeitpunkt der Unterbrechung entsprechenden Wurf fortzusetzen ist[4].

Sollten die Schiedsrichter den Pfiff des Zeitnehmers nicht hören, wird die Zeit dennoch angehalten. Der gesamte Spielverlauf ab dem Pfiff ist ungültig, es werden keine Tore gezählt, nur Strafen bleiben erhalten. Das Spiel wird an der Stelle fortgesetzt, an dem sich der Ball zum Zeitpunkt des Pfiffs befand.

Beim Team-Time-out werden gewöhnlich Spieltaktiken besprochen. Häufig wird das TTO aber auch nur aus rein taktischen Gründen genommen, um den Spielfluss der gegnerischen Mannschaft zu unterbrechen. Es gibt in unteren Verbänden auch Spielklassen, in denen das TTO untersagt ist.

Spielball

Der Spielball besteht aus einer luftgefüllten Leder- oder Kunststoffhülle. Es werden drei Größen verwendet:

Größe

Mannschaften

Umfang [cm]

Gewicht [g]

III

Männer und männliche Jugend ab 16 (mJA)

58–60

425–475

II

Frauen, männliche Jugend ab 12 (mJC+mJB) und weibliche Jugend ab 14 (wJB+wJA)

56–58

325–375

 

Leitung des Spiels

Jedes Spiel wird normalerweise von zwei Schiedsrichtern geleitet, die die Einhaltung der Regeln überwachen. Sie haben das Recht, den Spielablauf jederzeit zu unterbrechen, falls eine Regelverletzung stattgefunden hat. Ihre Entscheidungen über Spielsituationen sind für beide Mannschaften bindend (sog. „Tatsachenentscheidung“). Dabei kommt der eine als Torschiedsrichter, der andere als Feldschiedsrichter zum Einsatz, jeweils mit eigenem Aufgabenbereich je nach Aufstellung der Mannschaften und Spielsituation.

Die Schiedsrichter zählen die Tore, Strafen und sind letzte Instanz bei Unklarheiten über die Spielzeit.

Kampfgericht

Unterstützt werden die Schiedsrichter durch ein Kampfgericht, das sich aus Zeitnehmer und Sekretär zusammensetzt, in höherklassigen Spielen kommen noch Technische Delegierte der Verbände zum Einsatz, die die Arbeit des Kampfgerichts überprüfen und bei Vergehen der „Bank“ auch ins Spiel eingreifen dürfen.

Der Sekretär führt das Spielprotokoll, in dem Torfolge und Strafen notiert werden. Änderungen an der Spielerliste werden von ihm bei Bedarf vorgenommen.

Der Zeitnehmer überprüft die Spielzeit und sorgt dafür, dass die öffentliche Zeitmessanlage auf Anforderung angehalten bzw. fortgesetzt wird. Zudem ist er zuständig für die Einhaltung der Strafzeiten und die Dauer des Team-Time-Out.

Gemeinsam kontrollieren die Kampfrichter die Spieleranzahl und achten auf Fehler bei Ein- und Auswechselungen. Sie müssen die Schiedsrichter darüber informieren, die dann Sanktionsmöglichkeiten haben.

Vorteilsgedanke

Bei der Spielleitung steht immer der Spielfluss im Vordergrund. Das heißt, dass bei Regelwidrigkeiten der abwehrenden Mannschaft nicht sofort unterbrochen wird, sondern abgewartet wird, ob sich eine Torgelegenheit für die Angreifer ergibt. Strafen können und sollen nachträglich gegeben werden, dabei führt ein Fehlverhalten der Angreifer zu einem sofortigen Erlöschen des Vorteils, nicht aber zum Verfall der Strafen.

Beispielsweise hält ein Spieler bei einem Einwurf den Abstand zum Einwerfenden nicht ein, der Schiedsrichter erkennt aber, dass ein Angreifer in guter Position steht und auch angespielt wird. Dieser erzielt ein Tor. Noch vor dem Anwurf wird der fehlbare Spieler der Verteidiger mit einer gelben Karte (oder der entsprechenden folgenden) bestraft.

Regelverstöße

Strafen

Grundsätzlich sollen Schiedsrichter eine progressive Linie aufbauen, das heißt die Strafen aufeinander aufbauen lassen. Zuerst sollte eine gelbe Karte gezeigt oder eine Mannschaft einmalig ermahnt werden, dann folgen die härteren Strafen bis hin zur Disqualifikation. Mehrere Verstöße in derselben Situation führen zur härtesten Strafe.

Die Progression muss nicht um jeden Preis eingehalten werden, für entsprechende Vergehen kann direkt zu härteren Strafen gegriffen werden.

Vergehen können während der eigentlichen Spielzeit, während der Pause und vor dem Spiel geahndet werden, wobei vor dem Spiel ausgesprochene Strafen bis zur Disqualifikation reichen aber keine Auswirkungen auf das Spiel haben: Die bestrafte Mannschaft darf sich komplettieren und muss nicht in Unterzahl beginnen. Für Vergehen nach dem Spiel ist nur ein schriftlicher Bericht an die entsprechende Instanz möglich.

Verwarnung

Die Verwarnung wird durch eine gelbe Karte für Zeitnehmer/Sekretär und den betreffenden Spieler angezeigt und hat prinzipiell keine Auswirkungen auf das momentane Spielgeschehen außer, dass der nächste Wurf angepfiffen werden muss. Jeder Spieler kann nur einmal verwarnt werden, danach folgt selbst für ein ähnliches Vergehen eine Hinausstellung. Pro Mannschaft sind drei Verwarnungen möglich, für die Offiziellen noch einmal eine. Der Regeltext spricht von einer Sollpflicht, dies dient aber nur zum Abwehren von Einsprüchen gegen ein Spiel, wenn zuviele Verwarnungen gegeben wurden.

Vergehen, die mit Verwarnung bestraft werden können, sind

  • Entreißen oder Herausschlagen des Balles aus den Händen
  • Sperren oder Wegdrängen mit Armen, Händen oder Beinen
  • Klammern oder Festhalten an/von Körper oder Spielkleidung
  • Anstoßen, -rennen oder -springen

Aktionen, die primär gegen den Körper und nicht gegen den Ball gehen, sind mit Verwarnung zu bestrafen, prinzipiell kommen solche Aktionen im Kampf um den Ball vor, so dass eine gewisse Intensität gegeben sein sollte.

Hinausstellung

Obige Vergehen, die sich nach Verwarnung (oder Aufbrauch des Karten-Kontingents) wiederholen, werden mit der nächsten Stufe der Progression bestraft. Dies führt zu einer Reduzierung der Anzahl der Spieler der betroffenen Mannschaft auf der Spielfläche für zwei Minuten.
Des Weiteren werden in folgenden Situationen Hinausstellungen ausgesprochen:

  • Wechselfehler, Betreten der Spielfläche durch einen zusätzlichen Spieler oder das Eingreifen von der Bank in das Spiel
  • nach einer Disqualifikation
  • erneutes unsportliches Verhalten, nachdem der Spieler bereits eine Hinausstellung oder eine Disqualifikation erhalten hat, aber noch nicht angepfiffen wurde /Reduzierung der Mannschaft für 4 Minuten)

Eine Hinausstellung wird außer nach einer Disqualifikation durch das 2-Minuten-Zeichen angezeigt

Disqualifikation
Die Disqualifikation wird mit der Roten Karte angezeigt
Eine Disqualifikation wird dem Kampfgericht und dem fehlbaren Spieler/Offiziellen durch eine rote Karte angezeigt. Sie gilt für den Rest der Spielzeit. Der Spieler/Offizielle muss sofort die Spielfläche und den Auswechselraum verlassen. Er darf in keiner Form mehr Kontakt zur Mannschaft haben. Die Mannschaft darf nach zwei Minuten wieder ergänzt werden.
Eine Disqualifikation wird gegeben bei:

  • Regelwidrigkeiten, die die Gesundheit eines Gegenspielers gefährden (zum Beispiel Bein stellen, in der Wurfbewegung zurückreißen oder die Aktion gegen Kopf oder Hals gerichtet ist).
  • Unsportlichem Verhalten eines Offiziellen (zum Beispiel Eingreifen ins Spielgeschehen), wenn dieser zuvor schon eine Verwarnung und Hinausstellung erhalten hat.
  • Grob unsportlichem Verhalten eines Spielers/Offiziellen (zum Beispiel Beleidigung, demonstratives Wegwerfen des Balls, Revanche nach einem erlittenem Foul nehmen), dabei hat es keine Bedeutung, ob das Vergehen auf oder neben der Spielfläche geschieht.
  • Tätlichkeit eines Spielers außerhalb der Spielzeit
  • Tätlichkeit eines Offiziellen
  • bei der dritten Hinausstellung eines Spielers

Die Gründe für eine Disqualifikation werden im Spielprotokoll dargelegt.
Eine Disqualifikation hat meistens keine weiteren Folgen, außer bei Disqualifikationen wegen Schiedsrichter-Beleidigung oder Verhinderung eines „formellen Wurfes“ (also Frei-, An-, Ab- oder Einwurf) bei knappem Spielstand in der letzten Spielminute.
Stufen die Schiedsrichter eine Aktion als besonders rücksichtslos, bes. gefährlich, vorsätzlich oder arglistig ein oder beleidigt oder bedroht ein Spieler die SR, erfolgt Disqualifikation mit schriftlichem Bericht und weiterer Bestrafung durch die spielleitende Stelle.

Ausführung von Würfen

Alle Würfe, die nach einer Spielunterbrechung auszuführen sind, haben folgendes gemeinsam:

  • Der Wurf muss von der richtigen Stelle ausgeführt werden, dabei gibt es aber je nach Entfernung zum Tor bis zu drei Meter Toleranz (am eigenen Torraum)
  • Der Ball muss sich in der Hand des Werfers befinden
  • Ein Fuß muss permanent den Boden berühren (außer beim Abwurf)
  • Sobald der Ball die Hand verlassen hat, ist der Wurf ausgeführt (außer beim Abwurf)
  • Jeder Wurf kann zu einem Tor führen (auch der Abwurf)
  • Andere Spieler müssen ihre korrekte Position behalten, bis der Wurf ausgeführt ist (außer Anwurf)
  • Der Wurf muss angepfiffen werden, wenn
    • Stellungen von Spielern korrigiert wurden
    • eine Strafe oder Ermahnung ausgesprochen wurde
    • die Zeit angehalten wurde
    • immer bei Anwurf und 7-Meter-Wurf
  • Nach einem Anpfiff werden Fehler nicht mehr korrigiert, sondern führen zu
    • einem Freiwurf, wenn die ballbesitzende Mannschaft einen Fehler begeht
    • einem Freiwurf, wenn die nicht-ballbesitzende Mannschaft einen Fehler begeht und der ballbesitzenden ein Nachteil entsteht

Anwurf

Der Anwurf ist vom Mittelpunkt aus auszuführen, dabei muss mindestens ein Fuß auf der Linie sein, der andere entweder ebenfalls auf der Linie oder in der eigenen Hälfte. Die seitliche Toleranz beträgt jeweils 1,5 m, Gegenspieler müssen drei Meter Abstand vom Anwerfenden halten, die Mitspieler dürfen bei diesem Wurf direkt nach Anpfiff in die gegnerische Hälfte laufen während der Anwerfende noch drei Sekunden Zeit hat, einen Pass anzubringen.

Einwurf

Beim Einwurf muss ein Fuß auf der Linie sein, der andere darf inner- oder außerhalb des Feldes gesetzt werden. Hier gilt ein Abstand von drei Metern, außer die Gegenspieler stehen an ihrer Torraumlinie, die Mitspieler des Werfers dürfen sich auf dem ganzen Feld aufhalten.

Abwurf

Beim Abwurf kann kein Eigentor erzielt werden und er gilt erst als ausgeführt, wenn der Ball die Torraumlinie überschritten hat, die Gegenspieler müssen den obligatorischen 3-Meter-Abstand nicht einhalten.

Freiwurf

Eine Regelwidrigkeit, die näher als neun Meter vom gegnerischen Tor zum Freiwurf führt, wird an der gestrichelten 9-Meter-Linie ausgeführt, ansonsten am Ort des Vergehens. Während der Ausführung müssen Werfer und alle seine Mitspieler außerhalb des 9-Meter-Raumes stehen und auch dort bleiben bis der Ball die Hand des Werfers verlassen hat.

Eine Besonderheit ist ein Freiwurf, der nach dem Schluss- oder Halbzeitsignal ausgeführt wird (Regelwidrigkeit kurz vor Spielende/Halbzeit). Die abwehrende Mannschaft darf nicht mehr wechseln, die Angreifer genau einen Spieler. Beim Ausführen darf nur der Werfer am Wurfort stehen, seine Mitspieler müssen drei Meter Abstand von ihm halten.

Siebenmeter

Dieser Wurf stellt eine regelwidrig genommene klare Torgelegenheit wieder her: Wenn der Werfer ungehindert zum Wurf kam und durch ein Foul oder Betreten des Torraums an einem Erfolg gehindert wurde, müssen die Schiedsrichter wieder Chancengleichheit herstellen. Dabei stellt sich der Werfer vor die 7-Meter-Markierung (er darf dabei bis zu einem Meter davor stehen) und führt den Wurf nach Anpfiff aus. Der Torwart darf bis zur 4-Meter-Markierung gehen und Gliedmaßen in der Luft auch darüber halten. Alle anderen Spieler positionieren sich außerhalb der 9-Meter-Linie, mit mindestens 3 Meter Abstand zum Schützen und dürfen diesen Raum erst betreten, nachdem der Ball die Hand des Schützen verlassen hat. Verstößt ein Spieler gegen diese Regel, gibt es mehrere Möglichkeiten:

Angreifer, Ball vorbei oder gehalten: Spiel wird mit Abwurf fortgesetzt

Angreifer, Ball geht ins Tor: Freiwurf für die abwehrende Mannschaft

Verteidiger, Ball vorbei oder gehalten: Wiederholung des 7-Meter-Wurfs

Verteidiger, Ball geht ins Tor: Spiel wird mit Anwurf fortgesetzt

IHF-Schiri-Handzeichen 

 

Handballregeln 2010 ausführlich