Gerald Zschorsch

  • *1951 in Elsterberg/Vogtland/DDR
  • 1968-70 Jugendhaft
  • 1973 erneute Verhaftung und Verurteilung zu vier Jahren wegen Staatsgefährdung
  • 1974 Aberkennung der DDR-Staatsbürgerschaft und Übersiedlung in die BRD
  • Von da an freier Schriftsteller in Frankfurt an Main

Im Gespräch:

  • Wir: Herr Zschorsch, wie kommt es, dass Sie, ein Autor, als bildender Künstler im Künstlerhaus aufgeführt sind?
    Zschorsch: Das ist etwas, womit die hier bis heute nicht zurechtkommen. Ich bin ja auch Grafiker, und die Juroren haben mich eben als bildenden Künstler nominiert. Aber eigentlich bin ich Schriftsteller.
  • W.: Wie verdienen Sie Ihr Geld?
    Z.: Verdienen kann man das nicht nennen. Es kann sein, dass am Anfang des Monats mal kein Geld da ist, da muss man sich dann durchbeißen, und wer das nicht kann, der kann kein Künstler sein.
  • W.: Kann man nicht neben einer festen Beschäftigung schreiben?
    Z.: Nein. Geht nicht.
  • W.: Wie ist Ihr Tagesablauf?
    Z.: Ich gehe viel spazieren. Und wenn ich schreiben will, dann schreibe ich. Aber Freizeit hat man als Schriftsteller nie.
  • W.: Was gefällt Ihnen an Bamberg?
    Z.: Wie gesagt, man kann schön spazieren gehen. Es ist sehr idyllisch, vor allem der Michelsberg gefällt mir. Man kann dort gut nachdenken. Bamberg hat so was Mystisches.
  • W.: In Ihren Gedichten geht es viel um Gewalt und Brutalität. Was hat das zu bedeuten?
    Z.: Gedichte sind ein Ausdruck der Seele. Wenn es in meiner Seele so aussieht, dann schreibe ich eben über Gewalt.
  • W.: Könnten Sie sich vorstellen, über Bruno den Bären ein Buch zu schreiben?
    Z.: Nein, das ist kein Thema für mich. Höchstens als Parabel. Ich finde die ganze Sache stinkt zum Himmel, dass sie ihn angeblich abschießen mussten. Sie hätten ihn auch einfangen können. Der Mensch vertreibt die Natur und hat dann Angst vor ihr, wenn sie wieder in sein Reich kommt.

Veröffentlichungen (Auswahl):

  • Glaubt bloß nicht,daß ich traurig bin (1973, Verlag Europ.Idee/1981, Suhrkamp).
  • Antworten (1979, Guhl).
  • Klappmesser (1983, Suhrkamp).
  • Stadthunde  (1986, Klett-Cotta).
  • Sturmtruppen (1987, Klett-Cotta).
  • Gambit (1988, Klett-Cotta).
  • In den Straßen (1994, Klett-Cotta).
  • Eiserner Felix, Gedichte (1996, Klett-Cotta).
  • Torhäuser des Glücks, Gedichte (2005, Suhrkamp).

Auf dem Foto ist sitzt Gerald Zschorsch am Kopfende mit Sonnenbrille.