David Sherry – verrückt oder einfach nur genial?

  • geboren 1974 in Nordirland
  • studierte an der Kunstschule in Glasgow
  • wohnt und arbeitet in Glasgow
  • derzeit für 1 Jahr in Bamberg
  • meist bekannt für seine „Performance Art“

„Meine Lieblingsprojekte? Die waren eindeutig eine Woche lang mit einem Wassereimer herumzulaufen und sich für einen Monat die Zähne putzen zu lassen!“

David Sherry, ist er nun ein ernstzunehmender Künstler oder doch ein total durchgeknallter Ire?

Schon nach unserem Eintreten in sein Atelier war unser erster Eindruck von ihm klar: So was kann nur ein typisch- genialer Künstler sein! Überall lagen Papierschnipsel und sonstige Arbeitsmaterialien am Boden verstreut. In der einen Ecke zeigte er uns sein derzeitiges Projekt „Breaking the hug barrier“, die Umarmungsbarriere durchbrechen. In diesem Projekt geht es darum, die zwischenmenschlichen Beziehungen durch Umarmen zu verdeutlichen. Er erklärt uns, dass er sich mit den unterschiedlichsten Menschen bei einer Umarmung fotografieren lässt und somit die „hug barrier“ durchbrochen hat.

Nachdem wir uns etwas länger mit ihm unterhalten hatten, konnten wir seine Gedankengänge besser nachvollziehen und verstanden den Hintergrund seiner Kunst. Auch seine Hobbys, Tischtennis und Joggen (wobei er besonders die gleichmäßigen Abläufe ähnlich wie bei einem Metronom mag), zeigten uns, dass er gar nicht so durchgeknallt ist.

Nach eigenen Angaben, nennt man die Kunst, die er macht, noch am ehesten „conceptual art“. Er zeigte uns eine Reihe seiner Skizzen, in denen er vor allem mit Dialogen arbeitet. Eine von diesen war eine Spaghettipfanne, in der 3 Personen lagen und sich darüber unterhielten, wie es ist, in dieser Pfanne zu liegen. Er lässt sich viel von alltäglichen Dingen beeinflussen, aber auch von anderen Künstlern wie zum Beispiel Kippenberg. Er liest viel Zeitung, aber auch Filme wie „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock inspirierten ihn zu einem Bild namens „Psychobirds“, welches er als Hochzeitsgeschenke verschenkte. Er stellte es mit Siebdruckverfahren her und es zeigt drei Vögel, wobei einer eine Kettensäge in der Hand hält. Eine andere Eigenart von ihm ist es, sich selbst aus der Parallelperspektive zu beobachten. Auch möchte er von den normalen Lebensabläufen abweichen und auch mal „auf dem Standstreifen fahren“, was heißen soll, dass er anders als andere sein will. Er genießt es, im Künstlerhaus Villa Concordia zu leben, da er hier nicht noch nebenbei arbeiten muss und sich ganz auf seine Kunst konzentrieren kann. David Sherry konzentriert sich nicht darauf, seine Werke zu verkaufen, doch wenn er dies kann, ist es natürlich ein positiver Nebeneffekt. Eine wichtige Inspiration war auch sein Besuch in Berlin auf der Berlinale. Was uns auch sehr faszinierte, waren seine Videos, die er uns auf seinem Computer zeigte. Das verrückteste Video war der „Cola dance“. In diesem Film sieht man erst, wie er auf eine Platte Cola schüttet und dann darauf tanzt, bis sie langsam antrocknet und schließlich klebt, wobei komische Geräusche entstehen.

Dieser Besuch in der Villa Concordia hat unseren Horizont erweitert, da wir tolle Einblicke in das Leben eines Künstlers hatten und jetzt besser verstehen, wie manche Künstler denken.