Fortsetzungsgeschichte im März

„Guten Morgen“, weckte mich eine sanfte Stimme. „Frühstück gefällig?“, fragte sie. Ich öffnete leicht meine Augen und erkannte Peter der sich mit dem älteren Mann auf das Essen stürzte. Es gab Ei und Brot mit Schinken. „Ziemlich passabel“, dachte ich mir und setzte mich zwischen Peter und den Alten. Peter der nie ein Blatt vor den Mund nahm fragte den schäbigen Mann mit vollem Mund wie er hieße und was er hier mache. Er antwortete langsam und nachdenklich, dass er Tobias heiße, dass man ihn aber immer schon Tobser genannt hatte und wir es gleich tun sollten. „Wir haben Sie im Schlaf reden hören, sie haben etwas von einem Hochzeitshaus geredet und irgendetwas von einem Schatz!“, brachte Peter hervor und aß gemütlich weiter. Der Mann blieb erstaunlich ruhig, er wirkte nicht wie jemand dem man gerade erzählt hat, dass er einen Schatz verraten hatte. Nein er war nicht überrascht! Irgendwie kam mir das bizarr vor. Aber ich schaute nur in die kleine gesellige Runde und überlegte, wie es jetzt wohl mit der Sache weitergehen konnte. „Wisst ihr von dem Schatz?“, fragte der Mann. „Ja“, gaben Peter und ich zurück. „Wäre es dann nicht einmalig wenn wir uns zusammen tun würden, ihr und ich?“, „wir könnten den Schatz zusammen ausfindig machen und ihn aller Welt zeigen!“ rief er laut, er wurde aber gleich wieder leise, da es ihm anscheinend peinlich war, dass er geschrieen hatte.

Peter und ich schauten uns an, wir mussten nicht lange überlegen und nickten dem Mann zu. Ich dachte darüber nach wie wir die Bilder in unseren Händen halten und berühmt werden könnten! „Und in jeder deutschen Zeitung abgebildet werden“, träumte Peter meine Gedanken zu Ende. Vor Freude kamen Peter und ich gar nicht mehr auf die Idee, dass mit Tobias irgendwas nicht stimmte und wir akzeptierten ihn ohne auch nur noch ein Wort über ihn und seine Vergangenheit zu erfahren, was uns vielleicht noch zum Verhängnis werden konnte.

Nach zwei Tagen wurden Peter und ich entlassen und wir durften mit unserer Klasse nach Hause fahren. Der Bamberger wurde noch für drei weitere Tage im Krankenhaus gelassen. Wir versprachen ihm aber auf ihn zu warten und uns in Bamberg am Kranen mit ihm treffen würden sobald er entlassen werden würde. Die Zugfahrt war nicht so gemütlich wie die Hinfahrt, da ich nicht schlafen konnte. Durch die paar Tage Ruhe war ich voller Power und freute mich schon auf ein heißes Abenteuer, welches schneller als erwartet auf mich zukam.

Als erstes erzählten wir natürlich Johannes von unserer Begegnung mit Tobser. Johannes wollte uns erst nicht glauben, vertraute uns dann allerdings doch. „Wir müssen noch einige Vorbereitungen treffen!“, wenn wir ins Hochzeitshaus eindringen wollen, so müssen wir sicher gehen, dass uns dabei niemand erwischt.“, meinte ich. Fieberhaft brodelte sich in meinem Kopf einen Plan zusammen. Wir hatten noch zwei Tage Zeit um alles Wichtige zu organisieren.

Als wir in Bamberg ankamen machten sich alle Schüler auf den Heimweg zu ihren Familien. Peter, Johannes und ich stellten daheim nur schnell unsere Koffer ab und rannten dann schnurstracks zum Hochzeitshaus. Es war noch hell und die Sonne schien glänzend auf den Schnee. Vor der Hintertür blieben wir stehen. „Mir ist dieses Gebäude schon oft aufgefallen, aber ich war noch nie im Inneren.“, sagte Johannes mit einem starren Blick auf die Tür. Rechts darüber befand sich in Stein gemeißelt ein Portrait von Albrecht Dürer. „Meint ihr wir können da einfach so reinschauen?“, fragte Peter. „Schau mal ob die Tür offen ist“, antwortete ich. Sie quietschte wie eine schlecht geölte Tür eben quietscht, aber sie war offen. Wir gingen vorsichtig hinein und schauten uns um! „Schau mal!“ sagte Peter und zeigte auf einen schönen Innenhof geschmückt mit einzelnen kleineren Gärtchen. Es war traumhaft. Vor uns ragt ein großer Turm au dem Boden. „Was wohl da oben ist“, fragte ich mich. So blieben wir etwa 10 Minuten stehen bis uns eine stimme aus unseren Gedanken zurückholte. „ Ich bin hier der Hausmeister, Jungs, kann ich euch irgendwie helfen?“, brummte es direkt hinter uns. „ Ehm, wir wollten uns nur mal umschauen, stammelten wir drei vorsichtig und überrascht. „ Naja, wenn das so ist, wenn ihr wollt mach ich für euch eine kleine kostenlose Führung. Dieses Angebot konnten wir nicht ablehnen und wir nahmen dankbar an. Der Mann erzählte uns begeistert über Albrecht Dürer, der angeblich dort übernachtet haben soll und über großartige Feiern die hier gefeiert wurden. Bis wir in dem Turm bis nach oben gestiegen sind. Dort zeigte er uns ein Gemälde auf welchem die Hochzeit von Kanaan dargestellt war. Wir sahen uns das Gemälde genauer an und gingen dann wieder hinunter in den Hof, wo wir uns verabschiedeten. „Ist es euch auch aufgefallen?“, fragte ich „Auf diesem Bild hatten alle Personen nur vier Finger, vielleicht ist das ein Anhaltspunkt. Wir überlegten uns was das zu bedeuten hatte und kamen zu dem Entschluss, dass sich vielleicht hinter der Zeichnung ein Hinweis oder sogar der Schatz liegen könnte. Wir nahmen uns fest vor mit dem Alten erst mal nicht zu reden aber trotzdem mit ihm hinzugehen. Johannes traute ihm Gott sei Dank immer noch nicht ganz.

Wir schmiedeten den Plan, dass wir uns an dem netten Hausmeister nachts mit Fackeln vorbeischleichen und dann zum Bild weiter kraxeln würden.

Aber erst müssten wir noch Tobias treffen. Johannes und Peter sollten in dieser Nacht bei mir schlafen damit wir aus dem Fenster klettern konnten und uns unserem Abenteuer widmen konnten. Meine liebste Mutter stimmte zu und meine Schwester freute sich auch schon aber nach ihren Vorstellungen würde der Abend nicht verlaufen. Beim Letzten Glockenschlag der aus dem Kirchturm der Ottokirche schallte, gingen wir los zum Kranen wo schon Tobser auf uns wartete. „Schön ihr habt Fackeln dabei, das ist klasse!“, flüsterte er mit einer rauchigen Stimme. Er hatte etwas dunkles langes, eine Art Mantel mit Mütze an. Sie war spitz. Und sein Gesicht war auch rußig. „Was hat der den vor.“, dachte ich mir aber egal ich war zu aufgeregt um weiter zu denken. „Kommt wir fangen an!“, meinte er und wir liefen hinterher. Vor dem Gebäude aus Sandstein angekommen, rüttelte der unvorsichtige Peter an der Tür, sie war verschlossen! „ Wirst du wohl aufhören dun ungehobelter Blödmann“, wisperte der Mann in die schwarze Nacht hinein. „Weißt du was das ist Dummkopf, das ist ein Dietrich!“ Peter verstummte sofort und glühte vor Röte was nicht nur am Fackellicht lag. Er war völlig eingeschüchtert. Nach wenigen Sekunden hatte Tobias die Tür geöffnet, ich machte ein Kreuzzeichen und folgte den anderen in den Innenhof. Er war bei Nacht und Fackelschein noch schöner als am Tage. Den Mann schien das nicht zu rühren, er ging einfach weiter. Wir hatten es schwer ihm zu folgen, vor allem Peter der wahrscheinlich nur noch heimwollte. Es war alles so einfach gewesen, ich war nur noch leicht aufgeregt. Wir gingen auf den Turm zu, dessen Tür allerdings nicht verschlossen war und stiegen die Treppen hinauf. „Wir suchen jeden Raum ab, habt ihr gehört!“, „aber immer schön zusammen bleiben.“, wies uns Tobias zurecht. „Du“, er deutete auf Johannes, „geh voran, ich selbst mache das Schlusslicht.“

Johannes tat was von ihm verlangte und führte uns kleine Nachtwanderergruppe an. Er suchte eine kleine Tür aus in der ein Schlüssel steckte, öffnete sie und ging hinein. Wir folgten ihm.

Doch urplötzlich hörte ich hinter mir die Tür zufallen und einen Schlüssel, welcher wahrscheinlich in diesem herumgedreht wurde. Ich rannte zu Tür schrie und klopfte aber das einzige was ich hörte war ein dreckiges Lachen und leise Schritte die sich entfernten. Johannes, Peter, Tobser seid ihr da? „Ja“, kam es zurück, aber irgendetwas fehlte, ja die Stimme von Tobias! Er war nicht mit in dem Raum….

(Jakob Eberth, 9a)