Fachprofil Geographie

Mit der Überarbeitung der Schulordnung in Bayern wurde offiziell eine Umbenennung des Faches „Erdkunde“ in „Geographie“ vorgenommen.

 

„Was ist das, ein Geograph?“(, fragte der kleine Prinz.)

„Das ist ein Gelehrter, der weiß, wo sich die Meere, die Ströme, die Städte, die Berge und die Wüsten befinden.“

„Das ist sehr interessant“, sagte der kleine Prinz. „Endlich ein richtiger Beruf!“(…)

(aus Saint-Exupéry: Der kleine Prinz)

 

 

Dieser amüsante Dialog spiegelt die traditionelle Vorstellung einer „Stadt-Land Fluss“-Geographie wider. Was den modernen Geographieunterricht im Gegensatz dazu auszeichnet, soll im Folgenden kurz erläutert werden.

 

Die Rahmenbedingungen des Geographieunterrichts sind gegenwärtig durch veränderte Lebens- und Raumerfahrungen von Kindern und Jugendlichen gekennzeichnet. Viel stärker als früher sind diese Erfahrungen durch Medieneinflüsse und persönliches Erleben (Reisen) vorgeprägt, und zwar individuell sehr unterschiedlich. Vom Fach Geographie wird dabei eine deutliche Orientierungshilfe erwartet.

Zugleich steht das Fach vor den Herausforderungen der sich stark verändernden Weltgesellschaft:

-   exponentielle Entwicklung der Weltbevölkerung

-   zunehmende Globalisierung immer neuer Lebensbereiche

-   sich verschärfende globale Disparitäten

-   zunehmende weltweite Migration

-   erkennbare ökologische Labilität

-    europäische Integration

-    Vereinigung Deutschlands

(Zusammenstellung des Verbandes Deutscher Schulgeographen e.V.)

 

 

Der neue bayerische Lehrplan für das G8 beschreibt dementsprechend das Selbstverständnis des Faches Geographie folgendermaßen:

 

„Im Fach Geographie beschäftigen sich die Schüler mit räumlichen Strukturen und Prozessen auf der Erde. Ziel ist es, die Erde als Lebensgrundlage des Menschen in ihrer Einzigartigkeit, Vielfalt und Verletzlichkeit zu begreifen und verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen. An globalen, regionalen und lokalen Raumbeispielen zeigt das Fach Erdkunde sowohl die gestaltende Wirkung der Naturkräfte als auch die den Raum prägenden Einflüsse des Menschen. Die Schüler lernen somit, natur- und gesellschaftswissenschaftliche Erkenntnisse, Sichtweisen und Methoden zu verbinden. Mit den Inhalten  der Physischen Geographie, der Kulturgeographie und der Regionalen Geographie werden auch Kenntnisse aus anderen Geo- und Raumwissenschaften, wie zum Beispiel der Geologie, Meteorologie, Ozeanographie oder der Stadtplanung vermittelt.“

 

Als wesentlicher Beitrag des Faches Geographie zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung werden im bayerischen Lehrplan folgende Aspekte angesehen:

 

-   Orientierung im Raum

-   Verantwortung für Natur und Umwelt

-   Identitätsfindung, Weltoffenheit und Toleranz

-   Politische Bildung und Auseinandersetzung mit der Globalisierung

-   Problemlösendes Denken

-   Medienkompetenz

 

Geographie als Integrationsfach

Aufgrund seines Selbstverständnisses erfüllt das Fach Geographie eine Brückenfunktion zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Damit bietet sich eine fächerübergreifende Zusammenarbeit sowohl im täglichen Unterricht als auch bei Studien- und Projekttagen, Exkursionen oder Studienfahrten an.

Thematische Anknüpfungspunkte ergeben sich bei der Klärung und Deutung von Naturphänomenen mit den Fächern „Natur und Technik“, Biologie, Chemie und Physik.

Bei regionalen und landeskundlichen Themen lassen sich Verbindungen mit den Fächern Geschichte, Sozialkunde, Religionslehre bzw. den Fremdsprachen herstellen, um gemeinsam das interkulturelle Lernen zu fördern. Wirtschaftsgeographische Fragestellungen legen eine Zusammenarbeit mit dem Fach „Wirtschaft und Recht“ nahe.

Als Integrationsfach gesellschaftlicher und naturwissenschaftlicher Sichtweisen leistet die Geographie auch einen entscheidenden Beitrag zur Umweltbildung, wobei vor allem die Konzeption einer nachhaltigen Entwicklung von Räumen, Ökonomien und Gesellschaften thematisiert werden soll.